Arnica … ein homöopathisches Mittel mit zwei Gesichtern

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Sie kennen sie bestimmt auch, die kleinen braunen Fläschchen mit den weißen Kügelchen. Homöopathische Mittel sind „in“ und Mittlerweile aus vielen Haushalten nicht mehr wegzudenken. Das meist genutzte homöopathische Mittel überhaupt ist wahrscheinlich Arnica montana – der Bergwohlverleih sein. Es wird oft von Mensch und Tier bei jeder Kleinigkeit genommen bzw. gegeben und man könnte denken es handelt sich nur um harmlose Zuckerkügeli. Oft wirken Sie wirklich gut, aber leider trägt das paradoxer Weise auch dazu bei, den Ruf der Homöopathie zu zerstören. Lesen sie hier warum das so ist…

Arnica ist ein sehr starkes und tolles homöopathisches Mittel, was in meiner täglichen Praxis nicht mehr wegzudenken ist! Es ist Hilfreich bei Gehirnerschütterungen, Schockzuständen nach Unfällen, Herzinfarkten, Blutungen (z.B. Hämatom /Bluterguss), Blut im Urin (durch Überanstrengung) oder auch kleinen oder größeren Wunden in Weichteilen und vielem mehr!!! Wie jedes homöopathische Mittel kann auch Arnica vieles heilen, aber nur wenn die vorliegenden Symptome dazu passen. Nicht jede Verletzung braucht Arnica und schon gar nicht jede Operation. Und damit wären wir bei dem Problem, was mir am meisten am Herzen liegt!

In vielen Internetforen und sogar von einigen Therapeuten, wird Arnica als Allheilmittel bei jeder kleinen Verletzung  oder auch Entzündung empfohlen, aber vor allem soll man es laut diesen „Wissenden“ vor Operationen einnehmen! Ich kann Ihnen nur sehr dringend davon abraten! Jedes homöopathische Mittel kann Dinge, die es heilen soll, theoretisch auch auslösen. Das nennt man „Arzneimittelprüfung“ und die ist eine der drei Säulen, auf denen die homöopathische Lehre aufgebaut ist. Arzneimittelprüfung bedeutet, dass Arnica sehr wohl in der Lage ist, Blutungen zu stoppen, aber es ist auch möglich, dass es welche ausgelöst oder sie forciert werden. Jedes Mittel ist in der Lage, die Dinge die es heilen kann auch auszulösen! Und genau das ist der Grund, warum die Homöopathie alles andere als Ungefährlich ist, wenn man die Mittel nicht fachgerecht anwendet. Wenn man das allerdings tut, ist sie so schonend und mächtig wie kaum eine andere Heilmethode. Ich werde in einem späteren Artikel noch genauer auf das Thema fachgerechte Anwendung, Potenzen, Arzneimittelprüfungen usw. eingehen!

Bleiben wir mal bei dem Thema „Arnica vor Operationen“

Die Empfehlungen von Laien im Netz, aber leider auch die von schlecht ausgebildeten Therapeuten, schwanken zwischen

eine bis vier Wochen vor einer OP „tgl. mehrmals 5 -20 Globuli von der D12“  über „Wochenlang 3 x tgl eine C30“ bis zu „tgl eine C 200“.

All das ist grob fahrlässig und Sie sollten das Ihrem Tier (und auch sich selbst) nicht antun, zumindest nicht, wenn Sie es lieben! Wenn ein Tier bei einer Operation Arnica benötigt, dann bitte erst hinterher! Homöopathie wirkt nie vorbeugend, es ist eine Regulationstherapie, bei der die Mittel aufgrund vorhandener Symptome ausgewählt werden. Vor der OP gibt es in der Regel keine Symptome diesbezüglich, also gibt man auch kein Arnica.

Aber was geschieht jetzt, wenn man vor einer Operation dem Tier doch Arnica verabreicht hat? Im besten Fall geschieht gar nichts…dann haben Sie Glück gehabt! Wenn es ihrem Tier so ergeht wie einem meiner ersten Patienten, dann freuen Sie sich allerdings weniger.

Die Hündin sollte kastriert werden und die Besitzerin hatte 2 oder 3 Tage vorher täglich Arnica D200 gegeben, weil sie das irgendwo gehört hatte. Sie hatte zwar von einer C30 gehört, aber da diese nicht greifbar war, nahm sie einfach die D 200, die sie ja zu Hause hatte.  Der Hund wurde an dem Vormittag beim Tierarzt abgegeben und ein paar Stunden später wieder abgeholt. Soweit schien alles gut. 2 Stunden nach der Op war das Pflaster auf der Wunde dann komplett durchgeblutet, so dass man schnell wieder zum Tierarzt zurück fuhr und schlimmes vermutete. Der Tierarzt machte die frische Wunde noch einmal auf, um festzustellen ob irgend eine Naht im Bauchraum gerissen war. Aber nichts dergleichen…zum Glück war alles dicht!

Wahrscheinlich  hat hier aufgrund der Arnica Gabe der Hund sehr stark aus den Kapillaren ins Gewebe geblutet. Der Tierarzt hatte das schon bei der Operation gemerkt und sich sehr über die vermehrte Durchblutung gewundert. Die Hündin hatte zum Glück auch die zweite Narkose an diesem Tag gut überstanden und sowohl die Besitzerin als auch ich hatten etwas gelernt! Gib NIE Arnica vor einer OP… das kann nämlich, wenn man Pech hat, schlimm ausgehen. Diese Hündin hat es gut überstanden und ich war sehr froh, dass diese Verordnung NICHT von mir kam!

Ob Arnica NACH einer OP Sinnvoll ist, kann man an den Symptomen fest machen. Die Tiere die Arnica brauchen sind in der Regel schmerzempfindlich an den verletzten Teilen, sie wollen absolut nicht berührt werden und finden oft schon Annäherung doof. Oft sind recht große Hämatome vorhanden, die auch weh tun. Oder auch kleinere, die sehr viel schmerzhafter sind, als die Größe es vermuten lässt. Mitunter ist die Wundheilung nicht gut oder die Wunden sind entzündet. Arnica ist ein Mittel was vor allem bei Weichteilverletzungen gut tut.

Eine Knochen- bzw. Knochenhautverletzung, wie man sie z.b. durch einem Tritt ans Schienbein bekommt oder eine Quetschung, wie sie bei einem Tritt auf eine Hunde- oder Katzenpfote entsteht, braucht wahrscheinlich ein ganz andres Mittel. Auch bei einer schmerzhaften OP-Wunde oder einer aufgeschnittenen Pfote ist Arnica selten das Mittel, was Erleichterung bringt. Und bei Zerrungen oder auch Verbrennungen ist Arnica ebenfalls nicht das erste Mittel der Wahl, da gibt es einige andere, die eher in Frage kommen. Allerdings kann man es nicht ausschließen, dass es doch einmal auch bei sowas Arnica braucht.

So ist die Homöopathie… jedes Mittel ist extrem vielschichtig und bei den passenden Symptomen für sehr viele verschiedene Beschwerden zu gebrauchen. Es gibt einige sehr gute „Verletzungsmittel“ in der Homöopathie, jedes hat einen anderen Wirkbereich und somit auch andere Symptome die es erfordern.  Im Repertorium finden sich 167 Mittel für Verletzungen der Weichteile, Arnica ist nur eines davon!

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Arnica ist meiner Meinung nach eines der Mittel, mit dem man bei entsprechender Indikation, auch bei „ungläubigen“ bzw kritischen Menschen,  einen großen Eindruck hinterlassen kann. Außerdem ist es das Mittel, welches vielen Menschen schon den Weg zur Homöopathie gezeigt hat… so wie auch mir.

Mein erstes Erlebnis mit den kleinen weißen Kügelchen hatte ich während meiner Ausbildung zur Hufpflegerin. Ich war zum Praktikum bei einer Kollegin und habe die Hufe eines Kundenpferdes bearbeitet. Als ich eine Sekunde unaufmerksam war, landete der Huf des schweren Warmblutes auf meinem Fuß, natürlich, wie immer wenn so etwas passiert, mit der Hufspitze direkt hinter der Stahlkappe. AUA!!! Wer das schon einmal erlebt hat, der weiß von welchen Schmerzen ich rede! Die Besitzerin des Pferdes war sehr betroffen und brachte mich zum Hinsetzen in die Sattelkammer. Ich erinnere mich noch ganz genau, dass sie dann einen Koffer mit einer Menge brauner Fläschchen heraus holte und mir ein paar Kügeli aus einer der Flaschen gab. Ich lutschte die und der Schmerz im Fuß ließ schnell nach! Ich war gleichzeitig überrascht und begeistert. Was waren das für Wunderkügelchen?

Für mich war das der erste Kontakt mit dieser genialen Heilmethode und gleichzeitig auch meine erste Arnica-Erfahrung, der noch viele Folgen sollten. Tritte von Pferden auf den Fuß, gegen den Oberschenkel und einmal sogar gegen meinen Kopf hab ich dank Arnica und auch anderen homöopathischen Mitteln, völlig entspannt und  sehr schnell weg gesteckt. Ich habe nie längere Zeit Schmerzen gehabt oder sogar nicht arbeiten können!

Ich bin heute noch dieser Pferdebesitzerin dankbar, dass Sie mich praktisch zur Homöopathie gebracht hat. Dieses Erlebnis hat mich später, während und nach meiner Tierheilpraktiker-Ausbildung, dazu gebracht, mich intensiver mit der Homöopathie zu beschäftigen und eine richtig gute Ausbildung in klassischer Homöopathie zu machen! Ohne diese Kundin und ihre „erste Hilfe“ wäre ich heute nicht da wo ich bin … DANKE dafür Gabi!

Ich hoffe, daß ich Sie mit diesen Erlebnissen sowohl begeistern konnte als auch Nachdenklich gemacht habe. Hinterfragen Sie bitte kritisch solche Empfehlungen, die meist von Laien ohne Ausbildung kommen.  Aber auch wenn sie von vermeintlichen Profis kommen, seien Sie bitte kritisch. Viele Tierheilpraktiker haben keine homöopathische Ausbildung und ihre Mittelempfehlungen sind oft mehr als fragwürdig! Homöopathie lernt man nicht in einem Abendkurs… es ist eine mehrjährige Ausbildung, zusätzlich zur der des Tierheilpraktikers und erfordert in der Folge noch jede Menge Fortbildungen. Machen Sie sich bitte immer bewusst, dass die Homöopathie eine mächtige Heilmethode ist und man bei allem was eine Wirkung hat, auch eine Nebenwirkung erwarten kann. Am besten ist es, wenn Sie einen gut ausgebildeten Tierhomöopathen kennen, der die Fachgerechte Behandlung Ihres Tieres übernimmt. So bleiben Ihnen bzw. ihrem Tier solche Erfahrungen, wie die meiner Kundin, erspart.

Ich werde in einem weiteren Beitrag noch einmal gesondert auf die verschiedenen Potenzen, ihre Herstellung und die Fachgerechte Dosierung eingehen….bis dahin bleiben Sie vorsichtig und Gesund!

 

Quellen: Eigene Erfahrungen aus der Praxis und Inhalte meiner vierjährigen Homöopathieausbildung

Bild: Petra Schwarz 

 

Und dieser Satz muss zum Schluss auch sein…. Gemäß HeilMWerbG § 3 weise ich darauf hin, dass die Wirksamkeit dieser Methode wissenschaftlich nicht anerkannt ist!

 

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